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MI | 11.04.2012
Gottfried Küssel (Bild: APA/Helmut Fohringer)
CHRONIK
Rechtsextremist Küssel in Wien verhaftet
Ein offenbar großer Schlag gegen die Neonazi-Homepage Alpen-donau.info ist Montagabend gelungen. Bundesverfassungsschutz und Cobra führten auch in Wien Hausdurchsuchungen durch. Der Neonazi Gottfried Küssel ist in Haft.
Sechs Hausdurchsuchungen in Wien und Steiermark.
Schlag gegen Neonazi-Homepage
Seit Monaten war gegen den bekannten Neonazi Küssel ermittelt worden. Montagabend schlugen die Verfassungsschützer zu. Sechs Wohnungen wurden durchsucht, darunter auch die angebliche Kommandozentrale der mittlerweile abgedrehten Neonazi-Homepage Alpen-donau.info in der Unteren Donaustraße in der Leopoldstadt.

Zwei Männer konnten bei der Razzia verhaftet werden, darunter auch der per Haftbefehl gesuchte Küssel. Der 52-Jährige dürfte nach Informationen aus Polizeikreisen als Schlüsselfigur bei Alpen-donau.info fungiert haben.
Computer und Waffen beschlagnahmt.
Vecsey: Nichts mit Ministerweisung zu tun
Laut Staatsanwaltschaft wurden Unterlagen, Computer und Datenträger, Waffen und NS-Devotionalien beschlagnahmt. Mehr als 40 Ermittler seien gleichzeitig im Einsatz gewesen, sagte Thomas Vecsey von der Wiener Staatsanwaltschaft. Küssel und die zweite inhaftierte Person würden nun befragt, die beschlagnahmten Gegenstände ausgewertet.

Die Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass es noch weitere Hintermänner der Homepage gibt. Vor dem Zugriff Montagabend hatten die Behörden gemeinsam mit US-Stellen die Neonazi-Homepage genau beobachtet und die Zugangscodes zum Server der Homepage eruiert.

Mit dem Auftritt von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, die generell eine forschere Gangart der Staatsanwaltschaften gefordert hat, habe der Einsatz nichts zu tun, so Vecsey: "So eine Aktion muss von langer Hand geplant sein." Laut Vecsey gab es Hausdurchsuchungen nicht nur in Wien, sondern auch in der Steiermark.
Erste Hinweise schon vergangenen Herbst.
Monatelange Ermittlungen
Vor zwei Jahren war die rechtsradikale Homepage plötzlich im Internet aufgetaucht und sorgte mit Hetzparolen gegen Minderheiten und Politiker für Aufregung. Im vergangenen Herbst hatten die Ermittler erste Erfolge verbucht.

Bei Hausdurchsuchungen fand man Hinweise, die jetzt offenbar zu den Hintermännern geführt haben. Die Homepage selbst verschwand auf Druck der Behörden erst vor einem Monat aus dem Netz.
Küssel war Chef der VAPO.
Küssel und Gesinnungsgenosse verhaftet
In der Öffentlichkeit gab es immer wieder Spekulationen darüber, ob nicht Küssel hinter der Homepage steckt. Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz hatten offenbar Vermutungen in dieselbe Richtung.

Montagabend schlug die Spezialeinheit Cobra zu. In einer Wohnung in Wien-Leopoldstadt wurde auch Küssel angetroffen. Küssel und ein weiterer mutmaßlicher Gesinnungsgenosse wurden verhaftet.

Küssel war in den 1990er Jahren Chef der Neonazi-Organisation Volkstreue Außerparlamentarische Opposition (VAPO). Die VAPO wurde schließlich verboten. Küssel wurde damals wegen Wiederbetätigung zu zehn Jahren Haft verurteilt.
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