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MI | 11.04.2012
Gottfried Küssel (Bild: APA/Helmuth Fohringer)
CHRONIK
Küssel: Schlüsselfigur der NS-Szene
Der nun verhaftete 52-jährige Gottfried Küssel gilt als Schlüsselfigur der österreichischen Neonazi-Szene. Seit Anfang der 1980er Jahre sind einschlägige Aktivitäten des Wieners dokumentiert.
Seit Beginn der 1980er Jahre aktiv.
Zahlreiche einschlägige Mitgliedschaften
Küssel betätigte sich laut Angaben des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW) bereits zu Beginn der 80er Jahre in der behördlich aufgelösten "Kameradschaft Babenberg", der "Volksbewegung", der Nationalen Front (NF) und der "Volkssozialistischen Partei" (VSP).

Zudem gibt Küssel laut DÖW an, seit 1977 Mitglied der in den USA tätigen NSDAP/AO zu sein. Demnach war er auch Herausgeber der rechtsextremen Zeitschrift "Halt". Bereits zu dieser Zeit stand Küssel vor Gericht, was ihn vor weiteren Aktivitäten nicht abhielt.
Gründer der VAPO
1986 gründete Küssel die "Volkstreue Außerparlamentarische Opposition" (VAPO). In einem Flugzettel bezeichnete er das Tagebuch der Anne Frank als "Fälschung".

Ein Jahr später nahm er an einem Treffen von Neonazis in Höchst bei Frankfurt teil und wurde vom deutschen Neonaziführer Michael Kühnen zum "Bereichsleiter Ostmark" ernannt. Für Aufsehen sorgten auch immer wieder stattfindende "Wehrsportübungen" im Raum Langenlois in Niederösterreich.
Gottfried Küssel (Bild: APA/Helmuth Fohringer) Aktivitäten auch in Deutschland
Auch in Deutschland wollte Küssel zur Galionsfigur der dortigen Neonazis werden. Nach dem Aids-Tod Kühnens 1991 strebte er die Leitung des Netzwerkes an, stieß aber auf heftigen Widerstand von dortigen Neonazi-Größen.

Im selben Jahr verhängte das deutsche Innenministerium ein Einreiseverbot, was Küssel aber von weiteren Aktivitäten in Deutschland nicht abhielt. Laut DÖW nahm er weiterhin an mehreren Revisionistentreffen teil, unter anderem mit dem Holocaust-Leugner David Irving.
1999 wegen guter Führung aus Haft entlassen.
Prozess wegen NS-Wiederbetätigung
1993 kam es zu einem aufsehenerregenden Prozess gegen Küssel. Am Landesgericht für Strafsachen Wien wurde er in erster Instanz zu zehn Jahren Haft wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt.

Ein Jahr später hob der Oberste Gerichtshof das Urteil wegen "mangelnder Rechtsbelehrung der Geschworenen" teilweise auf und ordnete eine neuerliche Durchführung an. In der Wiederholungsverhandlung bekam er elf Jahre Haft, kam aber 1999 "wegen guter Führung" auf Bewährung vorzeitig frei.
"Wir werden diesen Staat zertrümmern"
Küssel bekannte sich in Medien und vor Gericht immer wieder freimütig zum Nationalsozialismus. So bezeichnete er laut DÖW Anfang der 1990er Jahre in einem Interview mit "ABC News Nightline" Adolf Hitler als den größten Mann der deutschen Geschichte und leugnete den Holocaust sowie die Existenz von Gaskammern.

Im Sender Tele 5 erklärte er damals, er wolle die Zulassung der NSDAP als Wahlpartei erreichen, was 1992 ein Grund für seine Verhaftung war. In einem Videoband, das bei einem Prozess vorgeführt wurde, sprach er offen über seine Ziele: "Wir werden diesen Staat zertrümmern."
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