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MI | 11.04.2012
Johannes Hahn (Bild: ORF)
CHRONIK
Hahn-Dissertation wird nun doch geprüft
Die Universität Wien wird nun doch die Dissertation von Ex-Wissenschaftsminister und EU-Kommissar Johannes Hahn (ÖVP) prüfen. Ein Ergebnis soll es in vier bis sechs Wochen geben.
Neue technische Möglichkeiten
Der Standpunkt der Universität Wien habe immer gelautet: Falls es neue Tatsachen gebe, werde wie in jedem anderen Fall auch die Arbeit geprüft. Das sei nun der Fall. Am 18. April wandte sich Brigitte Kopp, Studienpräses der Universität Wien, an die Agentur für wissenschaftliche Integrität und bat um gutachterliche Unterstützung.

"Wenn Tatsachen bekannt werden, die möglich erscheinen lassen, dass die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis nicht eingehalten werden, wird eine Prüfung eingeleitet. Dies gilt für jede wissenschaftliche Arbeit, egal wer sie geschrieben hat", so Kopp.

Die Universität Wien wird dabei die neuen technischen Möglichkeiten nutzen und Experten beiziehen.
Prüfung dauert bis zu sechs Wochen.
Komplette Arbeit wird durchleuchtet
"Bis zum endgültigen Ergebnis, dem Vorliegen der Gutachten, bitten wir um Verständnis, dass aus rechtlichen Gründen keine Aussagen zum Stand und dem möglichen Ergebnis getroffen werden", so Kopp in einer Aussendung. Die Arbeit werde nun jedenfalls insgesamt nochmals geprüft.
Plagiatsvorwürfe bereits 2007
Angesichts der Plagiatsaffäre gegen den zurückgetretenen deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kam auch wieder die Doktorarbeit von Hahn ins Kreuzfeuer der Kritik. Hahn hatte 1987 seine Dissertation zum Thema "Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Phänomen Stadt" an der Universität Wien eingereicht.

Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt als Wissenschaftsminister 2007 hatte ihm Medienwissenschaftler Stefan Weber vorgeworfen, dabei "absolut schlampig gearbeitet" und "seitenweise abgeschrieben" zu haben.

Die Uni Wien ging den Vorwürfen nach, verzichtete bisher aber auf die Einleitung eines Plagiatsprüfungsverfahrens, weil Hahn nie fremdes geistiges Eigentum als sein eigenes ausgegeben habe.
Sieben Aberkennungen seit 2004
Die Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis sei für die Universität Wien ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit und in allen Phasen des wissenschaftlichen Arbeitens, hieß es. Jährlich würden über 5.000 wissenschaftliche Abschlussarbeiten geprüft.

In Zusammenhang mit bereits abgeschlossenen Arbeiten kam es in den vergangenen Jahren durchschnittlich ein bis zwei Mal pro Jahr zu Anzeigen. Seit 2004 gab es zehn Anzeigen und sieben Aberkennungen von akademischen Graden.
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