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MI | 11.04.2012
Johann Hatzl
CHRONIK
SPÖ-Politiker Johann Hatzl beerdigt
Der langjährige SPÖ-Stadtrat und Wiener Landtagspräsident Johann Hatzl ist am Mittwoch auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt worden. Bürgermeister Michael Häupl würdigte Hatzl als "Freund und ehrlichen Mitstreiter".
Häupl würdigte Hatzl in einer Trauerrede.
Große "Trauer und Dankbarkeit"
"Wenn man fast 40 Jahre gearbeitet, gekämpft und gelegentlich gestritten hat, ist die Trauer aber ebenso die Dankbarkeit groß", sagte Häupl in seiner Trauerrede. Hatzl sei aus tiefster Überzeugung Sozialdemokrat gewesen und habe Wien geprägt.

Häupl würdigte Verdienste Hatzls wie etwa die Modernisierung des öffentlichen Verkehrs und leistbares Wohnen. Als Erster Präsdient des Landtags habe Hatzl den Respekt aller Parteien gehabt. Er, Häupl, verliere einen Freund und politischen Weggefährten.
Kondolenzbücher liegen auf
Wegbegleiter und Freunde hatten bereits am frühen Vormittag in der Karl-Borromäus-Kirche, wo Hatzl aufgebahrt wurde, Abschied genommen. Sie trugen sich in Kondolenzbücher ein und nahmen Gedenkbilder mit.

Am Nachmittag begann die Trauerfeier in der Karl-Borromäus-Kirche. Neben Häupl sprachen auch die Simmeringer Bezirksvorsteherin Renate Angerer (SPÖ) sowie der Wiener SPÖ-Mandatar und Vorsitzende der SPÖ-Simmering Harald Troch Abschiedsworte. Hatzl war 32 Jahre lang Vorsitzender der Simmeringer Bezirkspartei.

Hatzl wurde in einem Ehrengrab der Stadt Wien in der Gruppe 14C beigesetzt. Seine letzte Ruhestätte liegt in unmittelbarer Nähe zu jenen der SPÖ-Größen Hans Mayr, Christian Broda und Gertrude Fröhlich-Sandner.
Johann Hatzl Politische Karriere begann in Simmering
Der gelernte Waggonschlosser war bereits seit frühester Jugend politisch tätig, begonnen hat er als Bezirksrat in seiner Heimat Simmering. Schon in jungen Jahren stieß er zur Sozialdemokratie, wurde Mitglied und wenig später Funktionär und Vorsitzender der Sozialistischen Jugend.

Hatzl war von 1973 bis 1977 und ab 1987 wieder Mitglied des Bundesparteivorstandes der SPÖ. Nach 1988 war er auch stellvertretender Landesparteivorsitzender der Wiener SPÖ.

1973 wurde Hatzl erstmals in den Wiener Landtag und Gemeinderat gewählt. Er legte dieses Mandat zurück, als er 1976 in den Nationalrat, dem er bis 1979 angehörte, berufen wurde.
Von 1979 bis 1983 Wohnbaustadtrat
Zu den Stationen Hatzls politischer Karriere zählten die Mitgliedschaft im Bundesparteivorstand der SPÖ und der Posten als stellvertretender Landesparteivorsitzender der Wiener SPÖ. Zwischen 1979 und 1983 war Hatzl als Stadtrat für Wohnen verantwortlich, übernahm dann das Ressort Verkehr und Energie.

In Hatzls Zeit als Stadtrat für Wohnen und Stadterneuerung wurden unter anderem 10.000 städtische Wohnungen errichtet, die Mietermitbestimmung eingeführt und das Hundertwasserhaus errichtet.

Nach seinen Jahren als Wohnbaustadtrat übernahm er 1983 das Ressort Verkehr und Energie, von 1991 bis 1994 kamen der Verantwortungsbereich Bürgerdienst, Inneres und Personal dazu, im Jahr 1994 die Wiener Stadtwerke.
Harte Linie in der Ausländerpolitik.
Starke Skepsis gegenüber EU-Beitritt
1996, als die SPÖ vorübergehend ihre absolute Mehrheit eingebüßt hatte, musste Hatzl aus der Wiener Stadtregierung ausscheiden. Er wurde Vorsitzender des Wiener SPÖ-Gemeinderatsklubs - eine Funktion, die er bis zu seiner Wahl zum Landtagspräsidenten im April 2001 ausübte. Dieses Amt legte er im Oktober 2008 zurück.

Bekannt war Hatzl dafür, sich selten ein Blatt vor den Mund zu nehmen, und das mit deutlich erkennbarem wienerischen Akzent. Neben seiner EU-Skepsis sorgte auch seine harte Linie in der Ausländerpolitik für so manche Negativschlagzeile.

2002 nannte er den damaligen israelischen Regierungschef Ariel Sharon nach einem Bombardement in Gaza einen "Staatsterroristen".
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