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MI | 11.04.2012
Erwin Strahl (Bild: APA/EPA/DPA/Horst Ossinger)
CHRONIK
Erwin Strahl gestorben
Schauspieler Erwin Strahl ist am Mittwoch im Alter von 82 Jahren verstorben. Das meldete die "Kleine Zeitung". Der vielseitige Theatermann war mehr als 40 Jahre lang mit der Schauspielerin Waltraut Haas verheiratet.
Verkörperte "das typisch Österreichische".
"Liebenswürdigkeit und Charme"
Faust, Hamlet und Lear standen selten auf dem Karriereplan des smarten Sonnyboys. Dafür bewegte sich Strahl meist elegant auf dem glatten Parkett der Boulevardunterhaltung und verkörperte gemeinsam mit seiner Gattin "das typisch Österreichische: Liebenswürdigkeit, Charme, Genussfreudigkeit, Schwung, Musikalität und Patriotismus".

Diese Worte hatte der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll 2002 bei der Verleihung eines Ehrenzeichens an Strahl gefunden.
Mit Hans Albers und Heinz Rühmann vor der Kamera, mit Fritz Eckhardt und Fritz Muliar im Fernsehen.
Zahlreiche Film- und TV-Rollen
Das filmische Oeuvre Strahls begann 1949 mit "Vom Mädchen zur Frau", erstreckte sich über "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" (1954 mit Hans Albers und Heinz Rühmann), "Seelische Grausamkeit" (1961) bis zu "00Sex am Wolfgangsee" (1966).

Dem Fernsehpublikum war Strahl vor allem aus den TV-Serien "Hallo - Hotel Sacher ... Portier" (mit Fritz Eckhardt) und "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" (mit Fritz Muliar) bekannt. Aber auch in "Radetzkymarsch" (1965) und "Jetzt nicht, Liebling" (1972) war Strahl zu sehen.
Absolvent des Reinhardt-Seminars.
Bühnenlaufbahn begann in Klagenfurt
Strahl wurde am 12. Februar 1929 in Wien geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg fühlte er sich zur leichten literarischen Muse hingezogen. Nach einer Ausbildung an der Wiener Akademie der Künste und der Absolvierung des Reinhardt-Seminars begann Strahl seine Bühnenlaufbahn 1948 in Klagenfurt.

Es folgten Stationen in Zürich, Basel, Luzern und Wien, wo er ab den 1950er Jahren im Theater in der Josefstadt auftrat. Dort war er unter anderem in Jean Anouilhs Komödien "Gänseblümchen" und "Wecken Sie Madame nicht auf" sowie in Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" zu sehen.
Josefstadt, Raimundtheater und Karl-May-Festspiele in Weitensfeld.
Vielfältiger Theatermann
Seit 1952 arbeitet Strahl als Schauspieler und Regisseur nur noch mit Stückverträgen. Unter anderem gastierte er an den Kammerspielen und der Kleinen Komödie in München, am Berliner Theater und am Theater am Kurfürstendamm in Berlin, am Contra-Kreis-Theater in Bonn und am Landestheater in Salzburg.

In Wien war er neben der Josefstadt auch im Raimundtheater (als König in Farkas' "Die Hofloge") und an der Kleinen Komödie (als George im "Käfig voller Narren") zu sehen. Auch als "Ölprinz" bei den Karl-May-Festspielen in Weitensfeld feierte er Erfolge.

Der fließend Englisch, Italienisch und Französisch sprechende Theatermacher übersetzte daneben zahlreiche Bühnenstücke, führte häufig Regie und war gerngesehener Gast in deutschen und österreichischen Unterhaltungsshows.
Seit 1966 mit Haas verheiratet
Strahl war seit Juni 1966 mit Haas verheiratet. In den vergangenen Jahren war Strahl vornehmlich "der Mann an ihrer Seite", zumal der Schauspieler und Regisseur verlässlich als ihr Begleiter in der Öffentlichkeit auftrat.

Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn, den Theaterregisseur Marcus Strahl, geboren 1968.
Kulturstadtrat Mailath-Pokorny betroffen
"Insbesondere in Unterhaltungsfilmen, die bis heute nichts an Beliebtheit verloren haben und regelmäßig gezeigt werden, wird er uns in Erinnerung bleiben, aber auch als polyglotter Übersetzer, Bearbeiter und Regisseur fremdsprachiger Theaterstücke", würdigte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) den Verstorbenen.

Es sei für ihn jedes Mal eine Freude gewesen, Strahl und Haas zu treffen. Sie seien für ihn der Inbegriff eines glücklichen, künstlerisch eng verbundenen und gemeinsam erfolgreichen Künstlerehepaars gewesen, so Mailath-Pokorny.
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