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MI | 11.04.2012
Gefängniszelle (Bild: dpa/Oliver Berg)
CHRONIK
Situation bei Jugendhäftlingen entspannter
40 jugendliche Häftlinge sind seit Februar in die Jugendstrafanstalt Gerasdorf überstellt worden. Damit entspannte sich die Platzsituation in der Justizanstalt Josefstadt etwas. Die Jugendlichen haben zudem bessere Haftbedingungen.
Sexuelle Übergriffe als größtes Problem
Speziell im Jugendstrafvollzug machte sich die Platznot in der Josefstadt in den vergangenen Monaten deutlich bemerkbar. Vor allem in den Gemeinschaftszellen, die sich oft fünf Insassen teilen mussten, kam es zu großen Problem. Sexuelle Übergriffe auf junge und minderjährige Häftlinge waren die Folge.

Um das Problem zu bekämpfen, wurden die jugendlichen Häftlinge in die Jugendstrafanstalt Gerasdorf übersiedelt.
Dunkelziffer weit höher
Österreichweit wurden in den vergangenen fünf Jahren laut Justizministerium 46 sexuelle Übergriffe in Gefängnissen zur Anzeige gebracht. Am Wiener Straflandesgericht gab es 2010 fünf Verurteilungen wegen brutaler sexueller Gewalt und Demütigungen unter Jugendlichen in der Justizanstalt Josefstadt.

Aber das sei wohl nur die Spitze des Eisbergs, zeigten sich zuletzt Jugendrichter Norbert Gerstberger und die für die Justizanstalt Josefstadt zuständige Jugendrichterin Beate Matschnig überzeugt. Misshandlungen, Schlägereien oder Demütigungen seien sicher in weit mehr als 70 bis 80 Prozent der Fälle gegeben, aber man erfahren sie nicht, weil die Häftlinge Angst hätten, hieß es.
Häftlinge können Ausbildung machen.
Bessere Haftbedingungen und Ausbildung
Grund für die Überstellungen der unter 18-Jährigen nach Gerasdorf waren die besseren Haftbedingungen. Zudem haben die Jugendlichen dann die Möglichkeit, bei längeren Strafen eine Ausbildung zu machen. So werden in der Jugendstrafanstalt 13 Lehrberufe angeboten.

Da Gerasdorf über 60 Kilometer von Wien entfernt liegt, sind zudem Vernehmungen in Zukunft auch mittels Videokonferenz möglich.

Haftprüfungen und weitere Vernehmungen für Häftlinge in Gerasdorf werden laut Vollzugsdirektion so weit es geht auf elektronischem Weg erledigt, um Fahrten in die Stadt auf ein Minimum zu reduzieren.
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