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MI | 11.04.2012
Rostiger Stacheldraht (Bild: Fotolia/C_M_D)
CHRONIK
Kreisky-Preis für West Eastern Orchestra
Das "West Eastern Divan Orchestra" und drei Vereine, die Folter- und Kriegsüberlebende betreuen, haben am Freitagabend im Musikverein den Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte erhalten.
Daniel Barenboim (Bild: DPA/Andreas Gebert)
Daniel Barenboim ist einer der Gründer des West Eastern Divan Orchestras.
"Die Musiker haben es verdient"
Dirigent Daniel Barenboim erhielt den Preis für die Gründung des West Eastern Divan Orchestras. Er hatte 1999 gemeinsam mit dem verstorbenen palästinensischen Literaturwissenschafter Edward Said ein Orchester mit jungen Musikern aus Israel, Palästina und verschiedenen Staaten des Nahen Ostens eingerichtet.

In seiner Dankesrede sagte Barenboim im Wiener Musikverein, eine Zwei-Staaten-Lösung in den Grenzen von 1967 sei für den Nahen Osten das einzig denkbare: "Die Politik der vergangenen Jahre hat aber zu nichts als mehr Hass geführt." Auf den Preis blickend müsse er klar sagen: "Ich habe es nicht verdient, aber die Musiker des Orchesters haben es verdient."
Das West Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim (Bild: Luis Castilla)
Seit 2002 ist das Orchester in Sevilla beheimatet.
Ein Konzept für die Weltkultur
Die Gründung des Orchesters erfolgte auf Einladung des Kunstfestes Weimar. Zunächst wurde in einem Workshop für junge Musiker ein interkultureller Dialog möglich gemacht. Dabei sollte die Erfahrung einer Zusammenarbeit auf gemeinsamer Grundlage unterstützt werden.

Barenboim und Said benannten das Orchester und den Workshop nach Johann Wolfgang von Goethes Gedichtsammlung "West-Östlicher Divan", einem zentralen Werk für die Entwicklung eines Konzeptes der Weltkultur. Die ersten Auftritte des Orchesters erfolgten in Weimar und Chicago. Im Jahr 2002 übersiedelte es nach Sevilla, wo es sich dauerhaft niederließ.
Laudator Andre Heller (Bild: APA/Michael Bigus)
Hilfe in der "Orientierung in Dämonenirrgärten".
Viel zu tun - auch in Österreich
Neben dem Orchester wurden auch drei Vereine ausgezeichnet, die sich um Überlebende von Folter und Krieg kümmern: das psychosoziale Zentrum ESRA sowie die Vereine ASPIS und HEMAYAT. Laudator Andre Heller freute sich, dass Menschen geehrt werden, die "Orientierung in Dämonenirrgärten, Angstauflösungen und vieles mehr anbieten".

Stiftungsgeschäftsführer Oliver Rathkolb sagte, man solle nicht glauben, "dass wir auch in Österreich nicht genug zu tun hätten, um die Menschenrechte durchzusetzen". Maria Lind von ASPIS beschrieb, dass in Kärnten kein Cent an Subventionen zu erhalten sei: "Und heute werden wir genau für diese Arbeit ausgezeichnet - das macht uns stolz."

ASPIS, eine unabhängige Einrichtung an der Universität Klagenfurt, widmet sich der psychothereapeutischen und psychosozialen Hilfe für traumatisierte Menschen. Besonderes Augenmerk gilt heutigen Folteropfern und Überlebenden des Naziterrors.
(v.l.) David Vyssoki, Gerda Netopil, Elinor Haber und Peter Schwarz vom psychosozialen Zentrum ESRA (Bild: APA/Eiselt-Kommunikation)
Hilfe für traumatisierte Opfer.
Langjähriges Engagement für Menschen
Das psychosoziale Zentrum ESRA wurde für die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber den Überlebenden der NS-Verfolgung gewürdigt. Seit 17 Jahren beraten, begleiten und behandeln die Mitarbeiter kostenlos traumatisierte Menschen. Zudem bietet ESRA Hilfe für Überlebende der NS-Verfolgung und deren Nachkommen sowie jüdischen Migranten und deren Familien.

HEMAYAT wurde 1955 in Wien gegründet. Übersetzt bedeutet der Name des Vereins Betreuung und Schutz. Mittlerweile hat sich der Verein als Zentrum für medizinische, psychologische und psychotherapeutische Betreuung von Folter- und Kriegsüberlebenden etabliert.
Bruno Kreisky auf einem Foto aus dem Jahr 1988 (Bild: APA/Robert Jäger)
Preis zum 65. Geburtstag Bruno Kreiskys begründet.
Zum ersten Mal 1979 vergeben
Der Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte wird in unregelmäßigen Abständen von einer Stiftung vergeben. Diese wurde aus Anlass des 65. Geburtstages von Bruno Kreisky im Jahr 1976 ins Leben gerufen und mit 700.000 Euro dotiert.

Zum ersten Mal wurde der Preis im Jahr 1979 vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen zum Beispiel Nelson Mandela, Benazir Bhutto und der frühere Wiener Erzbischof Kardinal Franz König.
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