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MI | 11.04.2012
Robert Hochner (Bild: ramstorfer Thomas/APA/ORF)
MEDIEN
Hochners Todestag jährt sich zum zehnten Mal
Am 12. Juni 2001 ist der Fernsehmoderator und Journalist Robert Hochner gestorben. Nun jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal. Mit seinem Interviewstil und seinem Streben nach Gerechtigkeit machte er sich einen großen Namen.
In memoriam Robert Hochner
In einem Brief dankte Hochners Ehefrau Clarissa Stadler vor zehn Jahren Kollegen und Freunden für die Unterstützung in den letzten Jahren seiner Krebs-Erkrankung mit den Worten: "Er hat gespürt, dass ihr ihn nicht vergessen habt. Ich wünsche mir für ihn, dass ihr auch in Zukunft an ihn denkt."

Wenn man an Robert Hochner denkt, fällt den meisten unwillkürlich seine Tätigkeit als Moderator bei der "Zeit im Bild 2" ein. Mehrmals wurde er wegen seiner sachlichen wie humorvollen Kompetenz von verschiedenen Medien zum beliebtesten TV-Moderator des Landes gewählt.
Robert Hochner moderiert "Zeit im Bild 2" (Bild: ramstorfer Thomas/APA/ORF)
Vom Regieassistenten zum Profi-Moderator
Doch bis er im TV-Olymp ankam, war es ein langer Weg: von Budapest, nach Wien bis auf den Küniglberg. Der am 30. August 1945 in Ungarn geborene Medienprofi in spe, kam bereits als Kleinkind mit seinen Eltern nach Wien. Seiner beruflichen Karriere als Fernsehjournalist gingen seine Neugier und seine Begeisterung für Fotographie voraus.

In einer Zeit, in der es noch kein Fernsehen gab, erfreute er sich an Texten von Karl Kraus. "Als ich angefangen habe, hat es das 'Moderieren' ja überhaupt noch nicht gegeben. Ich wollte Journalist werden. Recherchieren, Interviewen, Reportagen machen," sagte er in seinem letzten Interview. Neben seiner Lust am Schreiben, war er auch technisch sehr interessiert.
Einmal Reinhardt-Seminar und zurück
Zu seiner eigenen Überraschung schaffte er später die Aufnahmeprüfung in die Regieklasse am Reinhardt-Seminar - aus der er jedoch nach eineinhalb Jahren wieder hinausflog. Schon damals zog es ihn zum Fernsehen und er nutzte die Sommerpause um bei TV-Filmen mitzuarbeiten.

Danach begann er ein Studium der Zeitgeschichte und Theaterwissenschaften an der Universität Wien. Von 1970 bis 1972 arbeitete er als Regieassistent am Theater in der Josefstadt.
Hochners medialer Aufstieg
Sein endgültiger Einstieg kam dann eher per Zufall. "Wegen meiner Kinoleidenschaft bin ich auch nach München zum Fernsehen gegangen, als Michael Kehlmann einen Regieassistenten suchte und mich fragte: "Willst Fernsehen lernen?" Da hab ich gesagt: "Gern.", erzählte er in seinem letzten Interview mit der Stadtzeitung "Falter".

Seit 1974 war er für den ORF tätig. Nur ein paar Jahre nach seinem Einstieg wurde er das neue Gesicht der "Zeit im Bild 2", später auch leitender Redakteur im aktuellen Dienst. 1989 entschied er sich dazu, seine Fernsehkarriere pausieren zu lassen. Dafür wechselte er ins Zeitungsgeschäft und nahm den Posten als Chefredakteur der Arbeiter Zeitung ("AZ") an.

Doch schon 1990 hatten der ORF und das Publikum ihren TV-Helden wieder. Zunächst arbeitete er für Ö3, danach wieder als Moderator der "ZiB 2". Er blieb bis 1999 und war auch noch in seinen letzten Lebensjahren, wenn auch unregelmäßig, im Fernsehen zu sehen. Dabei wahrte er stets professionelle Distanz im Umgang mit Politikern und prägte mit seiner Integrität auch nachhaltig den Nachrichtenjournalismus in Österreich.
Zu sehen: Clarissa Stadler, Armin Wolf (Bild: Dorit Krobath/APA)
2009 wurde ein Park im Bezirk Landstraße nach Robert Hochner benannnt.
Preise zu Lebzeiten und posthume Ehrungen
Hochner erhielt im Laufe seiner langjährigen Karriere drei Mal die Goldene Romy. Seit 2005 wird jährlich ein begehrter Preis für publizistische Leistungen im Bereich der politischen Berichterstattung im Radio und TV mit seinem Namen verliehen. Er gilt als eine der begehrtesten und hochrangigsten journalistischen Auszeichnungen des Landes.

Seine Ehefrau Clarissa Stadler schrieb über ihn: "Er war ein großer Journalist, weil er kein Besserwisser, sondern ein Mehrwisser war und er hat bewiesen, dass man mit Wachsamkeit und Kritik der Wahrheit ein Stück näher kommt."

Sein Grab befindet sich auf dem Hietzinger Friedhof in Wien, Gruppe 17, Nummer 18A.
Zitate von Hochner:
Eines der bekanntesten Zitate von Robert Hochner ist sein Statement: "Die Rache der Journalisten an den Politikern ist das Archiv."

Ein Spruch in einem Interview mit Frank Stronach in der ZiB2 lautete: "Herr Stronach, ich muss Sie jetzt unterbrechen - auch auf die Gefahr hin, dass Sie den ORF aufkaufen und mich rausschmeißen."

Hochner über Zivilcourage und Mut in Österreich:
"Was mich am meisten enttäuscht, ist die fehlende Zivilcourage in diesem Land. Es gibt so wenige, die den Mut haben, sich eine eigene Meinung zu leisten und diese auch zu vertreten. Menschen, die auch bereit sind, für ihre Überzeugung persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen."

In seinem letzten Interview mit Armin Thurnher meinte er über seine Tätigkeit: "Journalismus ist, wie ich zu sagen pflege, ein Charakterdefekt, mit dem man Geld verdienen kann." "Wo immer ich auf Widerstand gestoßen bin, habe ich überlegt, den Widerstand zu überwinden, statt dem Reflex nachzugeben, zurückzugehen."
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