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MI | 11.04.2012
Ein Panzer des österreichischen Bundesheeres vor dem Karawankentunnel am 6. Juli 1991 (Bild: APA/Gert Eggenberger)
CHRONIK
20 Jahre Jugoslawien-Krise: Flucht nach Wien
Mit der Jugoslawien-Krise vor 20 Jahren ist ein Kriegsschauplatz nahe an Österreich gerückt. Tausende Menschen flohen - viele von ihnen kamen nach Wien. Eine Herausforderung für das damalige Krisenmanagement der Stadt.
Bis zu 500 Flüchtlinge pro Tag in Wien
Am 25. Juni 1991 erklärten die jugoslawischen Republiken Slowenien und Kroatien die Unabhängigkeit von Jugoslawien. Darauf folgten Jahre des Krieges.

Tausende Menschen flohen, die größte Flüchtlingswelle, die Österreich erreichte, kam aus Bosnien. Bis zu 500 Kriegsflüchtlinge kamen jeden Tag in Wien an - und das über einen Zeitraum von mehreren Monaten.

Für das damalige Krisenmanagement der Stadt Wien eine große Herausforderung, erzählte der damalige Organisator Werner Hiller.
Turnhallen und leer stehende Gebäude der Stadt wurden adaptiert.
Rasches Handeln war gefragt
"In der Größenordnung und über die lange Zeit war es ein logistisches Problem. Begonnen vom Dienstplan unserer Mitarbeiter bis hin zur Zusammenarbeit mit den verschiedensten Organisationen, die sich eingebracht haben", sagte Hiller gegenüber Radio Wien.

Im Eiltempo mussten für die Flüchtlinge Unterkünfte geschaffen werden. "Turnhallen und leer stehende Gebäude der Stadt wurden innerhalb kurzer Zeit mit Sanitäreinrichtungen und Küchen adaptiert", so Hiller.
Jugoslawien-Krise: Das österreichische Heer stellte an der Grenze bei Spielfeld Panzer auf (Bild: AP/Christof Birbaumer)
Schon wenige Stunden nach der slowenischen Unabhängigkeitserklärung am 25. Juni 1991 spielten sich an der Grenze zur Steiermark und Kärnten dramatische Szenen ab.

Ein Luftangriff auf einen Lkw-Konvoi beim Grenzübergang Spielfeld, der zerschossene Kirchturm von Oberradkersburg (Gornja Radgona) und heftige Gefechte mit zwei Toten am Grenzübergang Bleiburg verursachten Besorgnis in Österreich. Das österreichische Heer fuhr an der Grenze mit Panzern auf.
Exakte Zahlen zur Unterbringung fehlen
Es sei gelungen, dass jeder Flüchtling stets ein Dach über dem Kopf hatte, sagte Hiller. Aus den Erfahrungen habe man zudem viel gelernt - auch für das heutige Krisenmanagement der Stadt.

Wie viele Flüchtlinge vom Balkan insgesamt in Wien untergebracht waren, ließe sich aber nach Auskunft der Stadt nicht genau sagen.
Meisten Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina
Laut einem im Vorjahr im Dorner Verlag erschienen Geschichtsbuch flüchteten im Kroatienkrieg 1991/92 rund 13.000 Kroaten nach Österreich. "Sie kehrten nach Beendigung der Kampfhandlungen 1992 zum großen Teil wieder in ihre Heimat zurück".

Von weitaus größerer Dimension "war mit 90.000 Personen der Flüchtlingsstrom, der aus Bosnien-
Herzegowina nach Österreich kam". Sie wurden als 'De-facto-Flüchtlinge' anerkannt und versorgt, erhielten damit aber nur ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht in Österreich.

Schätzungen zufolge sind zwei Drittel der bosnischen Flüchtlinge in Wien geblieben. "Ungefähr 60.000 von ihnen blieben in
Österreich, wo sie sich eine neue Existenz aufbauten", heißt es in dem Buch.
"Brisante" Folgen
Die letzte größere Flüchtlingswelle aus dem ex-jugoslawischen Raum gab es 1998 und 1999: Damals suchten rund 13.000 Personen, vorwiegend aus dem Kosovo, um politisches Asyl
in Österreich an.

Rund 3.000 von ihnen erhielten laut dem Geschichtsbuch Flüchtlingsstatus. Ein Teil der albanisch-kosovarischen Flüchtlinge kehrte nach dem Krieg in die Heimat zurück.

"Wie brisant die Folgen der
Auseinandersetzungen im Kosovo bis heute geblieben sind, zeigt das Beispiel der Familie Zogaj", heißt es im Kapitel "Flüchtlingsland Österreich: Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien".
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