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MI | 11.04.2012
Werkbundsiedlung (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
CHRONIK
Werkbundsiedlung wird ab 18. August saniert
Die immer wieder verschobene Sanierung der desolaten Werkbundsiedlung in Hietzing wird nun in Angriff genommen: Ab 18. August werden von den insgesamt 70 Häusern jene 48, die der Stadt gehören, Schritt für Schritt saniert.
Ein Josef Frank-Wohntrakt in der Werkbundsiedlung, am Montag 1.August 2005 in Wien-Hietzing (Bild: APA/herbert Pfarrhofer)
Sanierung wird mehrere Jahre dauern.
Bewohnerin: "Es wird etwas getan"
Langjährige Bewohner wie Helga Mislik sind über den Termin erleichtert: "Es wird endlich nicht mehr nur geredet und diskutiert, sondern es wird wirklich einmal etwas getan", sagte sie gegenüber Radio Wien. In das Wohnzimmer ihrer Wohnung hatte es in der Vergangenheit immer wieder eingeregnet.

Ab 18. August werden zunächst die vier leerstehenden Wohnhäuser in Angriff genommen. Erst danach werden die 44 bewohnten Häuser der Stadt saniert.

Bis das Haus von Helga Mislik saniert wird, wird es aber noch dauern: "Es wird ungefähr fünf Jahre dauern, bis alle 48 Häuser saniert sind, wurde uns mitgeteilt", sagte Mislik.
Ein Josef-Hoffmann-Wohntrakt in der Werkbundsiedlung. (Bild: APA)
Museum für die Werkbundsiedlung gefordert
Dieses Zeitfenster der Renovierung möchte auch der Verein Docomomo nutzen. Er setzt sich dafür ein, dass der 1932 eröffneten Siedlung ein Museum gewidmet wird - und zwar in einem jener Häuser, die leer stehen und gleich zu Beginn renoviert werden.

Die Initiative hat deshalb eine Petition gestartet, die an Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) übergeben werden soll.

"An der Planung der 70 Musterhäuser haben die bedeutendsten österreichischen sowie viele internationale Größen der Architekturszene der Zwischenkriegszeit mitgewirkt. Das einmalige, in Wien wenig beachtete Ensemble wird täglich von Architekturfreunden aus aller Welt besucht", hieß es in einer Aussendung.
Werkundsiedlung (Bild: APA)
Letzte Sanierung in den 1980er-Jahren
Die denkmalgerechte Instandsetzung der Werkbundsiedlung wird laut Stadt rund zehn Millionen Euro kosten. Erschwert würden die Arbeiten, da wegen des Denkmalschutzes bestimmte Baumaterialien nicht verwendet werden könnten, hieß es.

Für die Instandsetzung wurde von der Stadt eigens die Wiener Substanzerhaltungsgesellschaft & Co KG (WISEG) gegründet, die die Arbeiten auch ausgeschrieben hat.

An den Besitzverhältnissen ändert sich nichts. Die knapp 50 vermieteten Häuser, die saniert werden, bleiben weiter im Besitz der Stadt. Die in den Jahren 1930 bis 1932 entstandene Werkbundsiedlung wurde zuletzt in den Jahren 1982 bis 1985 saniert. Da in den 1930er Jahren mit dem Baumaterial zum Teil experimentiert wurde, besteht heute neuer Sanierungsbedarf.
Ein Adolf Loos- -Wohntrakt in der Werkbundsiedlung, am Montag 1.August 2005 in Wien-Hietzing (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
32 teils
weltberühmte Architekten waren beteiligt.
Anlage aus Musterhäusern 1932 eröffnet
Bereits vor über 78 Jahren wurde das avantgardistische Bauprojekt eröffnet, an dem sich 32 teils weltberühmte Architekten beteiligt hatten. Die Siedlungshäuser mit Mustereinrichtungen sollten als Modell für leistbares Wohnen dienen und standen nach ihrer Fertigstellung der Öffentlichkeit zwei Monate lang, bis zum 7. August 1932, offen.

Organisiert wurde das Projekt vom Architekten Josef Frank, dem es vor allem um funktionelle Lösungen ging. Die meisten der geladenen Architekten - unter ihnen Adolf Loos, Margarete Schütte-Lihotzky, Josef Hoffmann und Clemens Holzmeister - waren bereits Mitglieder des Werkbundes.

Dieser war 1912 als Vereinigung von Künstlern, Industriellen und Handwerkern zur Förderung der handwerklichen Qualitätsarbeit auch in der industriellen Produktion gegründet worden. Nach 1918 engagierte sich die Vereinigung im Rahmen des sozialen Wohnbaus.
Siedlung auf Liste gefährdeter Bauwerke
Der World Monuments Fund (WMF), der sich weltweit für den Erhalt von Architekturdenkmälern einsetzt, hat die Wiener Werkbundsiedlung auf die Liste gefährdeter Bauwerke gesetzt - als einziges Objekt in Österreich.
Baugrund wies Feuchtigkeit auf
Errichtet wurde die Werkbundsiedlung von der Gesiba, einer dem Bund, der Gemeinde und dem Siedlerverband gehörenden Wohnbaugenossenschaft.

Ursprünglich sollte die Avantgardeanlage in der Nähe des Favoritner Wasserturms bei der Triester Straße entstehen. Frank erachtete den Standort jedoch als ungeeignet und setzte sich erfolgreich für Hietzing ein.

Bereits bei der Errichtung war man sich der Feuchtigkeit des gewählten Baugrundes in Lainz bewusst. Zu den wenigen Auflagen für die Architekten gehörte deshalb die Unterkellerung und die Verwendung von Ziegelbauwerk. Zudem sollten die Häuser seriell herstellbar sein.
Erste moderate Sanierung erfolgte nach 1938
Frank, dessen Bau das Herzstück der Siedlung bildet, platzierte gleichartige Häuser gruppenweise, wie in der Veitingergasse und Jagdschloßgasse. In der Woinovichgasse stellte er dagegen die stilistisch nicht einzuordnenden Häuser zueinander. Trotz allen Individualismus der Beteiligten entstand so eine Siedlung von architektonischer Klarheit.

Trotzdem wurden 1932 nur 14 Häuser verkauft - die Unterkellerung machte die Objekte teuer. Der Rest wurde von der Gemeinde Wien übernommen. Eine erste moderate Sanierung erfolgte nach 1938 - allerdings ohne Rücksichtnahme auf die Originalsubstanz.
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