Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Billa-Gruender Karl Wlaschek (Bild: APA/Roland Schlager)
LEUTE
Billa-Gründer verrät Erfolgsgeheimnis
Karl Wlaschek, Billa-Gründer und Immobilieninvestor, hat über "goldene Regeln" für seinen wirtschaftlichen Erfolg gesprochen. Gegenüber "News" sagte er dazu: "Keine Aktien kaufen".
Seit heuer im Jänner Pensionist
Befragt, ob es goldene Regeln für seinen Erfolg gebe, meinte Wlaschek: "Sparsamkeit. Handschlagqualität. Und keine Partner. (...) Keine Aktien. Und nur Immobilien in Österreich kaufen."

90 Prozent seiner Entscheidungen seien sicher gut gewesen. "Aber ich hab natürlich auch Blödsinn gemacht. Ich hab Haas und Litega gekauft, weil das so billig war, und das Haas-Haus am Stefansplatz war dabei. Das war damals keine g'scheite Idee."

Auch die Creditanstalt (CA) habe er kaufen wollen. Zum Schluss sei er aber abgesprungen: Er könne zwar Geld zählen, aber von einer Bank habe er null Ahnung. Mit dem Immobiliengeschäft beschäftige er sich "eigentlich nicht mehr". Seit heuer im Jänner sei er Pensionist, nachdem er das Cafe Central verpachtet habe.
Wlaschek: "Kauf ist
Schlagobershauberl auf meiner Karriere".
Wlaschek: Barchiesi-Klage ist mir "wurscht"
Dem Immobilien-Tycoon ist es ferner "wurscht", ob der italienischen Investor Ugo Barchiesi im Zusammenhang mit dem Verkauf des Schlosshotels Velden an eine Wlaschek-Gesellschaft klagen wird.

"Das is mir wurscht. Wir haben einen Kaufvertrag mit der Hypo", sagt der Milliardär gegenüber "News". Den Kauf selbst bezeichnete Wlaschek als das "Schlagobershauberl" auf seiner Karriere. "Das ist ein bissl eine emotionale Sache, eine Spinnerei von mir", so Wlaschek zum Kauf.

Mit dem Schlosshotel verdiene er fast nichts, aber er habe dort nach dem Krieg - zuletzt 1953 - mit seiner Fünf-Mann-Kapelle, der "Charlie Walker"-Band, gespielt. "Es ist ein gutes Gefühl, wenn man das kaufen kann, wo man früher einmal gesessen ist und fast nichts gehabt hat", so Wlaschek. Die Verhandlungen dazu seien schon ein Jahr lang gelaufen.
Junior-Suite bis ans Lebensende
Für die neuen Betreiber des Schlosshotels, die Falkensteiner-Gruppe, habe er schon einen neuen dunkelroten Rolls-Royce bestellt. "Den kriegen sie von mir fürs Hotel. Wahrscheinlich werden sie den gegen Bezahlung an die Gäste vermieten". Er selbst werde sich fallweise im Schlosshotel aufhalten.

"Wir kriegen eine Junior-Suite bis ans Lebensende", so Wlaschek, der mit seiner derzeitigen Lebensgefährtin seit zwei Jahren zusammen lebt. Viermal sei er verheiratet gewesen.

Zu seinen Entertainerqualitäten meint Wlaschek, der am 4. August seinen 94. Geburtstag feiert: "Ich könnte heute noch als Entertainer auftreten, wenn ich 20 Jahre jünger wär. Privat bin ich beim Blödeln heut oft noch gut. Nur 's Hirn lasst schon ein bissl nach". Sein Wunsch zum Geburtstag: "Ich bin wunschlos glücklich."
1953 Grundstein für Handelsgruppe gelegt
Wlaschek wurde am 4. August 1917 in Wien geboren. Das Glück seines Lebens sei es gewesen, die Kriegsjahre heil überstanden zu haben, sagte Wlaschek im November 2005 bei der Präsentation seiner Memoiren. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er unter dem Pseudonym "Charly Walker" als Pianist und Bandleader tätig.

1953 legte er mit einer kleinen Parfümerie, die er als Einzelgesellschaft eintragen ließ, den Grundstein für eine expansive Handelsgruppe. Knapp sieben Jahre später nannte er schon 45 Lebensmittelgeschäfte sein Eigen, die ab 1960 unter dem Namen "Billa" - für "Billiger Laden" - firmierten.
Billa 1996 an Rewe verkauft
Bis zum Verkauf des Billa-Handelsriesen mit damals 50 Mrd. Schilling (3,63 Mrd. Euro) Jahresumsatz im Sommer 1996 an Rewe hatte es Wlaschek auf ein Handelsimperium mit 18.000 Mitarbeitern und 1.340 florierenden Filialen gebracht, die unter der Konzernholding BML Vermögensverwaltung AG (für Billa Merkur Libro) zusammengefasst waren.

Daneben zählten zu der von Rewe übernommenen BML die Marken Mondo und Emma, die Parfümerie-Kette Bipa, ferner die Billa-Töchter in Ungarn, Polen, Tschechien, der Slowakei, Italien und Deutschland.

Nachdem es ihm nicht gelungen war, bei der Privatisierung der damals zweitgrößten Bank des Landes, der Creditanstalt (CA) zum Zug zu kommen, begann Wlaschek sein Vermögen in Immobilien anzulegen.
Wlaschek: "Bei de Weiber bin i a Depp"
Sein Realitätenbesitz ist über zahlreiche Stiftungen mit klangvollen Namen ("Amisola", "Estrella", "Ermione") gemanagt. Neben etlichen herrschaftlichen Palais in der Wiener Innenstadt besitzt der Immo-Tycoon über 100 Objekte in ganz Österreich. Pro Tag darf er sich über Mieteinnahmen von 200.000 Euro freuen, berichtete der "trend".

"Kronprinz" für das Wlaschek-Vermögen ist der 32-jährige Sohn aus Wlascheks zweiter Ehe, Karl Philipp, der seit Jahren wichtige Positionen in den Stiftungen bekleidet. Als weitere Begünstigte der Stiftungen gelten Maria-Luise Bittner, Wlascheks Tochter aus erster Ehe, sowie Stieftochter Claudia Hönigsberger, deren Mutter Karin - die vierte Ehefrau des Milliardärs - im Herbst 2003 verstorben ist.

Insgesamt brachte es Wlaschek auf vier Ehen und drei Scheidungen. "Beim Gschäft bin i guad, bei de Weiber bin i a Depp", so ein legendärer Spruch Karl Wlascheks.
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