Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Wasserhahn (Bild: Fotolia/shreddhead)
WIRTSCHAFT
Wasser wird um 33 Prozent teurer
In Wien wird ab 2012 auch das Wasser teurer, und zwar gleich um 33 Prozent. Das hat Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) am Donnerstag bekanntgegeben. Auch die Abschleppgebühr wird um 50 Euro erhöht.
Erste Erhöhung seit 1995.
1,73 Euro pro Kubikmeter Wasser
Die Wassergebühr wird ab 1. Jänner 2012 von 1,30 Euro pro Kubikmeter, das entspricht 1.000 Liter, auf 1,73 Euro erhöht.

Ein Wiener Haushalt mit vier Personen muss also umgerechnet jährlich rund 80 Euro mehr an Wasserkosten bezahlen.

Die Wassergebühr in Wien ist seit 1995 nicht mehr erhöht worden, verteidigte Sima den neuen Tarif. Auch bei der Valorisierung 2009 sei die Wassergebühr ausgenommen worden.
Geld soll in Erhalt der Infrastruktur fließen
Rein rechtlich ist das jetzt wieder so: Die Erhöhung um 33 Prozent wird eigens im Gemeinderat beschlossen, die Valorisierung wird formal ausgesetzt. Begründet wurde die Anhebung unter anderem mit notwendigen Investitionen in die Infrastruktur. "Wir wollen die gute Qualität des Wassers sicherstellen", betonte Sima.

Die Wasserwerke würden jährlich rund 140 Millionen Euro in die Trinkwasserversorgung investieren. 30 Millionen Euro fließen laut Umweltressort etwa in die Sanierung des Wasserrohrnetzes. Auch die historischen Aquädukte müssten erhalten bzw. saniert werden. Dazu komme die Bewirtschaftung der Quellschutzwälder.
Gebühren in Wien werden erhöht (Grafik: APA/Martin Hirsch) Wasser bald teurer als in München oder Köln
Würde die Erhöhung entsprechend des Verbraucherpreisindexes erfolgen, würde sie laut Sima sogar noch höher ausfallen. Dann würde sie - bezogen auf 1995 - 39 Prozent betragen.

Künftig soll es keine großen Schritte mehr geben, der jetzige sei aber nicht zu vermeiden gewesen: "Es ist ein großer Sprung nötig, um sich in den Rhythmus der Valorisierung einzufügen." Das bedeutet: Die Indexanpassung wird so wie bei den anderen Gebühren in Zukunft in kürzeren Abständen erfolgen.

Wie die Ressortchefin versicherte, gehört Wien derzeit im internationalen Vergleich zu jenen Städten, in denen das Wasser äußerst günstig ist. Die noch aktuellen 1,30 Euro pro Kubikmeter seien ein "enorm niedriger Wert". Das ändert sich nun: So werden etwa vergleichbare deutsche Metropolen wie München, Köln oder Hamburg durch die bevorstehende Teuerung überholt.
Gebühren in Wien werden erhöht (Grafik: APA/Martin Hirsch)
Abschleppgebühr wird um 50 Euro angehoben.
26.000 Autos werden pro Jahr abgeschleppt
Eine Gebühr, der man durchaus entgehen kann, wird kommendes Jahr um 25,9 Prozent teurer - nämlich die Abschleppgebühr. Die derzeit eingehobenen 192 Euro sind laut Sima nicht kostendeckend. Nach der Erhöhung werden 242 Euro für Parksünder fällig. Das decke den Aufwand zu 100 Prozent ab, wurde betont.

Die MA 48 entfernt jährlich rund 30.000 illegal abgestellte Vehikel, wobei der größte Anteil (26.000) auf falsch geparkte Autos entfällt. Die abgeschleppten Gefährte werden auf einem großen Parkplatz in Simmering abgestellt.
ÖVP: Erhöhung der Wassergebühren "eine Frechheit der Sonderklasse".
Opposition gegen "Taschenraub"
"Die Stadtregierung hat sich von den Wienerinnen und Wienern bei der Wassergebühr allein in den letzten zehn Jahren ein 'Körberlgeld' von rund 122 Millionen Euro geholt, was vom Rechungshof erst im letzten Jahr bestätigt wurde", kritisierte ÖVP-Chefin Christine Marek.

"Die Erhöhung der Gebühren belastet die Wienerinnen und Wiener unnötig. Die Gebühreneinnahmen der Stadt Wien arbeiten jetzt überdeckt. Die nun verkündete Anhebung der Wassergebühr um 33 Prozent kann man vor diesem Hintergrund nur als Frechheit der Sonderklasse bezeichnen", so Marek.

"Als Taschenraub auf offener Straße", bezeichnete FPÖ-Klubchef Johann Gudenus die Erhöhung der Wassergebühren in einer Aussendung. "Wenn SPÖ-Finanzstadträtin Brauner zum Stopfen der von ihr selbst verursachten, klaffenden Budgetlöcher die Wiener Bevölkerung brutal aussackelt, dann ist sie endgültig rücktrittsreif", so Gudenus.
SPÖ verteidigt Erhöhung
SPÖ-Landesparteisekretär Christian Deutsch verteidigte indes die Gebührenerhöhung und warf der Opposition vor, die Privatisierung des öffentlichen Sektors vorantreiben zu wollen.

"Die Taktik von ÖVP und FPÖ ist leicht zu durchschauen: In Wirklichkeit geht es ihnen darum, öffentlichen Betrieben die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, nur um dann lauthals nach Privatisierung schreien zu können", befand Deutsch.

Leistungen der Daseinsvorsorge - darunter auch Wasser - müssten allerdings in öffentlicher Hand bleiben, wobei das Aufrechterhalten des Leistungsniveaus Geld koste.
Auch Müllentsorgung und Parken wird teurer
Erst am Mittwoch war bekanntgeworden, dass aufgrund des in Wien geltenden Valorisierungsgesetzes die Parkscheine, die Kanalgebühr sowie die Müllentsorgung teurer werden. Der Anstieg bei Kanal und Abfall wird knapp über sechs Prozent liegen, jener bei den Parkscheinen leicht darüber.

Zudem gab Wien Energie am Mittwoch bekannt, die Preise für Erdgas und Fernwärme zu erhöhen. Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Gasjahresverbrauch von 10.700 Kilowattstunden im Jahr zahlt in Wien künftig um rund 44,50 Euro mehr pro Jahr.
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