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MI | 11.04.2012
Wohnhaus von Ernst Epstein in Margareten (Bild: ORF)
CHRONIK
Aufregung um neue Fenster in Epstein-Haus
Rund um das Austauschen von Fenstern in einem Wohnhaus in Wien-Margareten herrscht Aufregung. Die Mieter und Architekturexperten sehen das historische Erscheinungsbild des von Ernst Epstein gebauten Hauses bedroht.
Bauleiter des Loos-Hauses
Als Bauleiter für das berühmte Loos-Haus am Michaelerplatz wurde der Wiener Architekt Epstein berühmt. Zwischen 1910 und 1935 realisierte er in Wien rund 100 Wohn- und Geschäftsbauten, vor allem viele Villen im Cottage-Viertel und auf der Hohen Warte.

Das von ihm errichtete Wohnhaus in der Schlossgasse in Margareten ist weniger bekannt, sorgt jetzt aber für mehr Aufregung. Mehr als 200 Fenster sollen in dem teilweise denkmalgeschützten Haus neu eingesetzt werden. Einige Mieter sind empört, weil der Verlust der Originalfenster im Raum steht.

Viele der alten Fenster sind so morsch, dass sie fast zerfallen. Jedes einzelne zu sanieren wäre zu teuer, argumentiert die Hauseigentümerin. Die neuen Holz-Aluminium-Fenster seien ganz im Sinne des Erbauers, glaubt sie.
Austausch von Fenstern in Wohnhaus von Ernst Epstein (Bild: ORF) Architekten für Erhaltung der Fenster
Der Denkmalschutz gilt nur für die Straßenseite, nicht aber für die auf den Hof schauenden Fenster. Die für das Stadtbild zuständige Magistratsabteilung MA 19 bewilligte vor kurzem den Tausch der hofseitigen Fenster.

Dagegen protestiert die Zentralvereinigung der Architekten Österreichs. "Wir sprechen uns deutlich für eine Erhaltung dieses gesamten Baujuwels aus. Gerade das Zusammenspiel von Straßen- und Hoffenstern ist ein ganz wesentlicher Bestandteil des Baudenkmals", sagte Architekt Martin Kohlbauer.

Franz Kobermaier von der MA 19 verteidigt dagegen die Entscheidung, da die Hofseite eben nicht in einer Schutzzone liegt: "Da ist es übliche Praxis, dass außerhalb der Schutzzone die Fenster getauscht werden können, wenn sich das Erscheinungsbild nicht ändert. In diesem Fall ändert es sich nicht sehr."
Strenge Auflagen des Denkmalamtes
Unklar ist noch, wie und ob der beabsichtigte Fenstertausch an der Straßenseite umgesetzt werden kann. Eine Genehmigung gibt es noch nicht, dazu kommen strenge Auflagen des Denkmalamts.

"Sind die Fenster reparabel, dann müssen sie repariert werden. Ist das aufgrund des Alters nicht mehr möglich, dann müssen sie gemäß dem historischen Bestand nachgebaut werden", sagte Friedrich Dahm vom Denkmalamt.

Fenster wie jene, die hofseitig eingebaut werden, würde das Denkmalamt straßenseitig nicht genehmigen. Hier müssten dann Tischler ans Werk, die die Kunst der 1:1-Kopie beherrschen.
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