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MI | 11.04.2012
E-Card (Bild: APA)
Gesundheit
Wiener Ärzte erzürnt über E-Card-Probleme
Immer mehr Wiener haben ihre E-Card bereits zugeschickt bekommen. Doch zugleich nehmen auch die Probleme der Ärzte damit zu, die Hotline der Wiener Ärztekammer läuft heiß. Mehr als 1.000 Beschwerden sind bereits eingegangen.
Wien hat die meisten Probleme mit der E-Card.
Krisensitzungen in Hietzing und Meidling
Der Unmut über die E-Card ist groß, vor allem unter den Ärzten der Wiener Bezirke Hietzing und Meidling. Davon konnte man sich Donnerstagabend bei einer Bezirksärztesitzung zu diesem Thema überzeugen.

Die E-Card ist ein "Desaster", erklärte Bezirksärztevertreter Peter Hosiner dann auch gleich zu Anfang. "Der Roll-out, die Installation waren eine Katastrophe, ständig gibt es Systemabstürze."
Nachholbedarf bei EDV
In Wien wären die Ordinationen seltener mit EDV ausgestattet als in den anderen Bundesländern, hieß es. Das bringe nun bei der Umstellung zusätzliche Schwierigkeiten mit sich. 

"Wir haben davor gewarnt, man hat sich einfach nicht darum gekümmert", so der Ärztesprecher von Meidling, Thomas Reitmayr.
Ärger über die Hotlines
Besonders erzürnt ist man auch über die diversen Hotlines. "Man hat den Eindruck, dass diese Hotlines nur aus psychohygienischen Gründen - als Klagemauer - installiert wurden", so Reitmayr.

Es gebe nur selten oder nie rasche und kompetente Hilfe, keine Rückrufe sowie nur mangelnde Erreichbarkeit.
Hitliste von Problemfällen
Installationsprobleme, Nichteinhaltung von Installationsterminen, keine Unterstützung bei Hotlines, Probleme mit den Telekom-Providern, falsche Anzeige des Versicherungsstatus oder auch Probleme mit der Einbindung der Arzt-Software: So schaut die Hitliste der Problemfälle aus.
Bis zu einer Stunde am Tag brauche man nun länger, sagen Ärzte.
Zeitaufwand wächst
"Momentan ist es halt mühsam", berichtete die Frau eines Arztes, die ihn in der Ordination unterstützt. So habe man einmal für zwei Stunden komplett schließen müssen, "weil nichts mehr gegangen ist".

Überhaupt brauche man pro Tag durch die E-Card nun ein halbe Stunde länger, wenn viel los sei sogar eine Stunde.
Aus dem E-Card-Alltag der Ärzte
Mitte Mai habe sie sich angemeldet, seit zwei Wochen habe sie nun den Anschluss, erzählte eine praktische Ärztin aus Meidling.

Zu dem größeren Zeitaufwand komme noch der finanzielle Aufwand: 360 Euro habe sie für die Technik ausgegeben, dazu kämen 70 Euro Leihgebühr pro Modem. Eine Umstellung ihres Computersystems zur Vollimplementierung der E-Card würde nochmals 6.500 Euro kosten.
Sie habe ihre Praxis am Schöpfwerk. "Das ist soziales Notstandsgebiet", viele ihrer Patienten seien arbeitslos, berichtete eine Ärztin. Hier gebe es derzeit ständig falsche Anzeigen des Versicherungsstatus.

"Durch das ständige Aufleuchten 'nicht versichert' bekommen die Leute Angst." Zudem müssten sie dann vor allen anderen erklären, dass sie arbeitslos und beim AMS gemeldet seien. "Das ist peinlich."
Chaos in den Ordinationen
Die Summe all dieser Probleme bedeutet für die Ärzte erhöhte Kosten, chaotische Zustände in den Ordinationen, Umsatzrückgänge und "totale Kontrolle durch den Hauptverband". "Die E-Card ist vor allem eine Kontrollkarte", klagte der Meidling-Ärztesprecher Reitmayr.
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