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MI | 11.04.2012
Rupert Riedl
Tot
Biologe Rupert Riedl gestorben
Der bekannte Biologe und Umweltschützer Rupert Riedl ist in der Nacht auf Montag 80-jährig in Wien gestorben. Nähere Details über die Umstände des Ableben Riedls sind vorerst noch nicht bekannt.
Rupert Riedl.
Als Meeresbiologe begonnen
Riedl, der seine Forscherlaufbahn als Meeresbiologe begann, war einer der wenigen Wissenschafter, die sich mit Recht "Biologe" nennen konnten.

Es ist ihm nicht nur gelungen, in mehreren Teilgebieten dieser Disziplin echte Standardwerke zu schaffen. Er hat bei aller Genauigkeit im Detail auch den Blick für "das Ganze" nicht verloren.
Anhänger von Lorenz und Popper
Später wandte er sich der Theorie zu und entwickelte die von den beiden österreichischen Nobelpreisträgern Karl Popper und Konrad Lorenz begründete "Evolutionäre Erkenntnistheorie" (EE) weiter.

Kernaussage der EE ist es, die Ordnungsmuster unseres Denkens als ein Selektionsprodukt aus den Ordnungsmustern der Natur zu betrachten.
Riedl konnte Leute begeistern
Der Konrad Lorenz-Schüler "konnte Leute für wissenschaftliche Fragestellungen begeistern wie kaum ein anderer, dementsprechend groß ist die Zahl seiner Schüler", sagte Peter Weish, Biologe und Weggefährte Riedls im 1996 gegründeten Club of Vienna.
Riedl sollte eigentlich Maler werden.
"Gastspiel" bei der Akademie der Künste
Rupert Riedl wurde am 22. Februar 1925 als Sohn eines Bildhauers in Wien geboren und sollte eigentlich auf Wunsch des Vaters akademischer Maler werden.

Aber vorerst kam er nach der Matura zum Arbeitsdienst und wurde schließlich zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Er wurde verwundet und geriet in Gefangenschaft, von der er 1945 heimkehrte.

Getreu dem Willen des Vaters gab Riedl 1945/46 ein "Gastspiel" auf der Akademie der Bildenden Künste. Geblieben ist davon eine lebenslange Liebe zu Kunst und Kultur.
1952 promoviert
Beruflich entschied sich Riedl aber sehr rasch für die Naturwissenschaften. Über einen kurzen Ausflug in die Medizin gelangte er schließlich zur thematisch umfassenderen Biologie, in der er 1952 an der Universität Wien promovierte.
Expeditionen in alle Welt
Schon in Studentenzeiten bewies der angehende Zoologe seine Führungsqualitäten. So leitete er 1948 die erste Nachkriegsexpedition ("Unterwasser-Expedition Austria"), die unter anderem nach Sizilien führte.

Es folgten Studienaufenthalte an verschiedenen marinbiologischen Stationen am Mittelmeer und an der Nordsee. Auf Grund seiner Expeditionserfahrungen war Riedl später auch maßgeblich am Aufbau der österreichischen meeresbiologischen Studentenkurse beteiligt.

Seine erste Anstellung erhielt Riedl 1953 als wissenschaftliche Hilfskraft am Zoologischen Institut der Uni Wien bei dem bekannten Anatomen Karl Marinelli.
Riedl war auch ein Kämpfer für den Naturschutz.
Aktiv bei der Hainburg-Bewegung
Außerdem gründete Riedl das Konrad-Lorenz-Institut für Evolutions- und Kognitionsforschung in Altenberg in Niederösterreich.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Riedl durch Bücher und TV-Dokumentationen wie "Die Gärten des Poseidon" bekannt, in der er Schönheiten, aber auch die nachhaltigen Veränderungen im europäischen Mittelmeer aufzeigte.

Er war aber auch ein engagierter Kämpfer für den Naturschutz, nicht zuletzt war er eine der Galionsfiguren der Hainburg-Bewegung.
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