Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
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Neues Gutachten
Kein Herzversagen: Wague ist erstickt
Cheibani Wague ist nicht an Herzversagen gestorben. Das besagt ein neues medizinisches Gutachten. Er sei erstickt, berichtet die Wiener Stadtzeitung "Falter".
Gutachten: Wague ist unter der Last der Einsatzkräfte erstickt.
Keine Wiederbelebungsmaßnahmen
Die Todesursache von Wague sei eine "fixationsbedingten Asphyxie": Er ist auf dem Boden unter der Last der Einsatzkräfte erstickt, so der "Falter". Erstellt hat das Gutachten der Sachverständige für Intensivmedizin, Kurt Hudabiunigg.

Wörtlich spricht der Gutachter von einer "inneren Erstickung", die "durch die große Intensität und Dauer der Fixierung durch zumindest fünf Exekutivbeamte und zwei Sanitäter eingetreten" sei.

Der Gutachter kritisiert vor allem, dass Wague minutenlang regungslos auf dem Boden lag und keine Wiederbelebungsmaßnahmen erfolgt seien.
Hätten vielleicht Leben retten können
Der Arzt weiter: Hätten Arzt und Einsatzkräfte gehandelt, hätten sie Wague vielleicht das Leben retten können. Es seien "unnötigerweise zumindest drei bis vier Minuten vergangen".
Experte spricht von "nicht notwendigen Fixierungsmaßnahmen".
Kritik auch vom Polizeiexperten
Aber auch ein anderes Gerichtsgutachten übt Kritik. Rudolf Pföhs, Experte für Einsatztechnik bei der Polizei, hält laut "Falter" fest, dass eine "fehlende Koordination bei den Fixierungen jeweils im Kopf- und Brustbereich zu bemängeln ist". Manche Beamte hätten "nicht notwendige Fixierungsmaßnahmen" gesetzt.

Kritik übt der Gutachter - er ist Schieß- und Einsatztaktiker sowie Beamter des Innenministeriums - auch an "fehlenden Vorschriften" bezüglich Fixierungen. Die Beamten hätten teils nur auf Grund "reiner Erfahrungswerte" gehandelt, so Pföhs.
Im Vorfeld gab es heftige Kritik an Pföhs als Gutachter. Ausgerechnet ein Beamter des Innenministeriums würde das Gutachten erstellen, so die Vorwürfe.
Verfahren geht am 28. Oktober weiter.
Kein Kommentar von Richter und Staatsanwalt
Weder der zuständige Richter Gerhard Pohnert noch Staatsanwältin Sabine Rudas-Tschinkel waren Dienstagnachmittag für eine Stellungnahme erreichbar.

Der Prozess um den im Wiener Stadtpark ums Leben gekommenen Wague wird auf jeden Fall am 28. Oktober fortgesetzt. Vier weitere Verhandlungstage sind vorgesehen.

Das Verfahren gegen die sechs Polizisten, drei Sanitäter und den an der Amtshandlung beteiligten Notarzt soll am 3. November abgeschlossen werden.
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