Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
"Vor dem Ruhestand", Premiere am Volkstheater am 16. Oktober. (Bild: APA)
"Hitler-Zimmer"
Schottenberg bekommt Rückendeckung
Für einen Streit zwischen Bundesdenkmalamt und Volkstheater sorgt derzeit das denkmalgeschützte "Hitler-Zimmer". Direktor Schottenberg bekam Mitte Oktober Rückendeckung von Wiens Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SPÖ).
Die Täfelung des Zimmers soll als Bühnenbild für Thomas Bernhards Stück "Vor dem Ruhestand" dienen.
Rechtliche Folgen drohen
"Wenn das Zimmer nicht sofort wiederhergestellt wird, wird sich unsere Rechtsabteilung einschalten", wird Wiens Landeskonservatorin Barbara Neubauer zitiert. Es habe keinen Spielraum gegeben, das Zimmer sei zu erhalten gewesen.

Man habe versucht, "Herrn Schottenberg klarzumachen, dass man die Geschichte des Hauses nicht einfach amputieren kann". Gerade im Gedenkjahr hätte sie ein besseres Umgehen mit Vergangenheit erwartet.
Getäfeltes Extrazimmer für Hitler
Bei dem Zimmer handelt es sich um einen Raum, der laut "News" während der NS-Herrschaft errichtet wurde. Es sollte Hitler für den Fall eines Besuchs zur Verfügung stehen, doch er kam nie ins Volkstheater.

Das Zimmer allerdings blieb erhalten. Jetzt soll es für die Thomas-Bernhard-Inszenierung "Vor dem Ruhestand" verwendet werden.
Er habe das Zimmer von Fäulnis befreien wollen, sagte Schottenberg.
"Grauenvolles Denkmal"
"Das Bundesdenkmalamt wollte, dass diese Einrichtung der Öffentlichkeit zugänglich ist, und genau dafür sorge ich, indem ich sie auf die Bühne hole", so Schottenberg Mitte Oktober dazu gegenüber der APA.

Er wüsste nicht, warum diese "ausscheidungsbraune Wand", hinter der die Fäulnis wüte, stehen bleiben sollte, so Schottenberg weiter: "Es ist ein grauenvolles Denkmal einer überholten und nicht verarbeiteten Zeit."

Allerdings wurden laut Schottenberg alle Teile der denkmalgeschützten braunen Vertäfelung nummeriert und seien "jederzeit wieder zu installieren – wo auch immer man will".
Schicker versteht das Vorgehen des Theaterdirektors.
Auflagen seien "absurd" und "skurril"
Der Wiener Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SPÖ) unterstützt Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg im Streit um das "Hitler-Zimmer". Nicht das Vorgehen des Theaterdirektors sei bedenklich, sondern das Vorgehen der Behörde, so Schicker im "Standard" Mitte Oktober.

Die Auflagen des Denkmalamts seien "absurd", meinte Schicker. "Ein Zimmer, das zu Hitlers Ehre errichtet wurde, aus genau diesem Grund als erhaltenswert einzustufen, ist skurril und gefährlich."
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