Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Herbert Hufnagl (Bild: APA)
Todesfall
"Kurier"-Kolumnist Herbert Hufnagl gestorben
"Kurier"-Kolumnist Herbert Hufnagl ist in der Nacht auf Samstag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 60 Jahren verstorben. Hufnagl war vor allem wegen seiner "Kopfstücke" beliebt.
Seit vielen Jahren sorgte Hufnagl mit seinen "Kopfstücken" für Heiterkeit bei seinen Lesern.
Wortwitz und Realsatire
Seit 1988 verfasste Hufnagl seine tägliche Kolumne "Kopfstücke", in der er Irrungen und Wirrungen des Alltags, überbordenden Bürokratismus und Verballhornungen der deutschen und österreichischen Sprache aufs Korn nahm.

Hufnagl galt als einer der Träger der Marke "Kurier", für viele Leser waren seine "Realsatiren aus Österreich" täglicher Fixpunkt. Auch unter Journalistenkollegen genoss Hufnagl hohes Ansehen.

"Wie jeder echte Feuilletonist interessiert sich Hufnagl nicht in erster Linie für Themen, sondern für die Form, die Sprache. Das vermeintlich Weltbewegende überlässt er den Wichtigtuern der Zunft", schrieb etwa Ulrich Weinzierl, Wien-Korrespondent der deutschen Tageszeitung "Die Welt", vor Jahren über den Journalisten-Literaten.
Herbert Hufnagl (Bild: APA)
Hufnagl wurde am 13. Februar 1945 in Judenburg in der Steiermark geboren. Seit 1968 gehörte er dem "Kurier" an. Zuerst war er in der Lokalredaktion tätig, und schon ab 1977 betätigte er sich kolumnistisch mit dem "Watschenmann".

1980 bis 1988 leitete er die "Kurier"-Kulturredaktion, ab 1988 schließlich verteilte er seine "Kopfstücke". Das erste trug den Titel "Kudern mit Kreisky". Im August dieses Jahres erschien Hufnagls fünftausendstes "Kopfstück", Ende September war im "Kurier" unter dem Titel "Abservieren!" sein letztes Werk zu lesen.

Abseits des Zeitungsjournalismus trat Hufnagl mit seinen "Realsatiren aus Österreich" auch auf Kabarett- und Theaterbühnen auf und verfasste mehrere Bücher. Hufnagl hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Kinder.
Leser werden unterhalten und in Erstaunen versetzt.
Der Kolumnist als Ausnahmeerscheinung
Der Essayist Franz Schuh sah in Hufnagl eine Ausnahmeerscheinung. "Etwas ist faul im Staate, und Herbert Hufnagl ist in der Zeitung der Mann, der das österreichische Panoptikum der Fäulnis ironisch widerspiegelt. Das ist aber nicht zum Lachen: Die Kolumnen notieren die nationalen Verwahrlosungen, den Alltagsfaschismus, zu dem kein kleiner Teil des österreichischen Kolumnismus ja selber gehört."

"Ich glaube, dass die Journalisten vor allem dazu da sind, die Rest-Menschheit zu unterhalten und in Erstaunen zu versetzen", schrieb Hufnagl selbst in einer seiner Kolumnen. "Dabei ist egal, ob sie das vorsätzlich tut oder ob es sich einfach ergibt."
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News