Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Karl Merkatz (Bild: APA)
Volksschauspieler
Karl Merkatz feiert 75. Geburtstag
Als "Mundl" und "Bockerer" hat er Film- und Fernsehgeschichte geschrieben - am Donnerstag feierte Karl Merkatz 75. Geburtstag. Das Jubiläum wurde aber von einem Unfall mit einem Toten überschattet, an dem Merkatz beteiligt war.
Karl Merkatz - Publikumsliebling feierte 75. Geburtstag.
Schlagzeilen abseits der Kulturseiten
In den vergangenen Wochen und Monaten hatte sich Merkatz sehr zurückgezogen. Nach seinem Verkehrsunfall am 20. September mit einem Toten hatte er die meisten seiner Verpflichtungen abgesagt.

"Ein Geburtstag hat zwar keinerlei Bedeutung, darum sollte man kein allzu großes Tam Tam machen, aber jetzt ist es für mich Zeit, mich wieder in der Öffentlichkeit zu zeigen", so Merkatz.

Über den Unfall und den Stand der Ermittlungen will er aber nicht sprechen: "In meinem Inneren bin ich damit permanent konfrontiert, aber die Öffentlichkeit geht das nichts an."
Fest im Theatermuseum
Merkatz (Bild: pressefotos.at/Stephan Helmreich)Zum Geburtstagsfest am Mittwoch im Eroica-Saal des Österreichischen Theatermuseums gab es ein Gespräch von Merkatz mit Hilde Sochor, Schauspieler-Kollegen lasen aus der Autobiografie "So bin ich".
Karl Merkatz (Bild: ORF)
Anfangs wollte Merkatz die Role des "Mundl" ablehnen.
TV-Durchbruch mit dem "Mundl"
Karl Merkatz wurde 1930 als Sohn eines Werkzeugmachers und einer Weberin in Wiener Neustadt geboren - und hatte alles andere als eine große Theaterkarriere in Aussicht. Der theaterbegeisterte Bub machte zunächst eine Tischlerlehre.

Dann nahm Merkatz Schauspielunterricht in Salzburg, Wien und Zürich und machte am Mozarteum seine Abschlussprüfung mit Auszeichnung. Seine Bühnenkarriere begann am Kleinen Theater in Heilbronn - wo er auch seine Frau Martha Metz kennen lernte, mit der er seit 1956 verheiratet ist.

Der Durchbruch zum Fernsehstar gelang ihm als polternder proletarischer Haushaltsvorstand Edmund Sackbauer in Reinhard Schwabenitzkys Serie "Ein echter Wiener geht nicht unter", die der ORF von 1974 bis 1977 produzierte.
Armer Nachbar im Jedermann
Merkatz (Bild: APA)
Auf der Bühne spielte Merkatz Raimund und Nestroy, Goethe, Beckett und Shakespeare und beeindruckte mit seinem "Affen-Monolog" nach Kafkas "Bericht für eine Akademie". Bei den Salzburger Festspielen '05 stand er nicht nur im "Ottokar", sondern auch im "Jedermann" (als armer Nachbar und als Gott) auf der Bühne.Herr" im "Jedermann" im Juli 2005 (Bild).
Merkatz (Bild: APA)
Merkatz mit Franz Antel bei Bockerer-Dreharbeiten.
Immer wieder Bockerer
Den gegen die Nazis renitenten Wiener Fleischhauer Bockerer stellte Merkatz zunächst im Stück von Ulrich Becher und Peter Preses auf der Bühne des Wiener Volkstheaters dar.

Die Anfrage für die Rolle erreichte Merkatz unter abenteuerlichen Umständen in Australien, wo er 1979 den ersten von vielen mehrmonatigen Aufenthalten verbrachte, den zweiteiligen TV-Film "Easy Radler" drehte und sich nachhaltig in das Land verliebte.

Die Franz-Antel-Verfilmung des Stückes wurde ein großer Erfolg. Die Rolle des "Bockerer" hat er auch in den drei Fortsetzungs-Filmen Antels übernommen, und wie er sich stets trotz Bedenken dazu überreden ließ, auch das erzählt Merkatz in seiner Autobiografie.
Bild: Burgtheater
Gegenwärtig steht Merkatz als Benesch (Bild) in Martin Kusejs Inszenierung von "König Ottokars Glück und Ende" auf der Bühne des Burgtheaters.
Merkatz (Bild: APA)
Erfolge auch im Musical: Karl Merkatz als Milchmann in "Anatevka".
Abschied mit König Lear?
In Zukunft will Merkatz nach "sehr schönen und arbeitsintensiven Jahren" seltener auf der Bühne stehen. "Worauf ich mich aber besonders freue, ist der 'König Lear' in Klagenfurt mit Dietmar Pflegerl. Ursprünglich wollte ich auch das absagen. Aber die Premiere ist erst im Herbst 2006, und außerdem muss der Lear ein Lebenswunsch für jeden Schauspieler sein".

Allerdings werde der Lear vielleicht der Abschied von dieser Art von Schauspielerei sein, so Merkatz.
Merkatz (Bild: APA)
Karl Merkatz und seine Frau Martha.
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