Wien ORF.at
MI | 11.04.2012
Gratz (Bild: APA)
Nachruf
Leopold Gratz 1929-2006
Altbürgermeister Leopold Gratz ist gestorben. Gratz hatte 1973 das Amt des Bürgermeisters von Felix Slavik übernommen. In seine Amtszeit fielen die Donauinsel, die Wiener Fußgängerzonen, aber auch die AKH-Misere.
Berufliche Laufbahn begann 1952 im Sozialministerium.
Schon als Jugendlicher in SPÖ
Der 1929 in Ottakring als Sohn eines Bankbeamten geborene Leopold Gratz studierte nach Volksschule und Realgymnasium an der Universität Wien Rechtswissenschaften.

Von Jugend an war er in verschiedenen Organisationen der SPÖ tätig, so unter anderem im Verband Sozialistischer StudentInnen Österreichs (VSSTÖ).
Nach der Wahl 1971 übernahm er die Funktion des SPÖ-Klubobmanns.
Sekretär, Bundesrat, Nationalrat, Minister
Schon ein Jahr später wechselte Gratz ins Parlament, wo er bis 1963 als Sekretär im Klub der Sozialistischen Abgeordneten und Bundesräte arbeitete. Bis 1966 vertrat er Wien im Bundesrat, dann kam er erstmals in den Nationalrat, dem er bis 1973 angehörte.

1970 holte ihn Bundeskanzler Bruno Kreisky als Unterrichtsminister in die Regierung.
Wiener Bürgermeister 1973 bis 1984
Am 5. Juni 1973 übernahm Gratz das Amt des Wiener Bürgermeisters. Aus seiner Amtszeit nachhaltig in Erinnerung geblieben sind unter anderem die Neugestaltung des Donauuferraums inklusive Donauinsel sowie die Revitalisierung der Inneren Stadt durch Fußgängerzonen.

Allerdings musste sich Gratz auch mit der Misere um den Bau des AKH, des größten Krankenhauses Österreichs, herumschlagen. Weiterer negativer Höhepunkt seiner Wiener Amtszeit: der Einsturz der Reichsbrücke am 1. August 1976.
1986 Nationalratspräsident
Politisch erklomm Gratz 1984 die nächste Stufe, als er Wiener SPÖ-Vorsitzender wurde. Im selben Jahr holte ihn Bundeskanzler Fred Sinowatz zum zweiten Mal in die Regierung, 1986 wurde er Nationalratspräsident.
Leopold Gratz. (Bild: APA)
Die Entscheidung zum Rückzug "ist eine persönliche und sie ist politisch begründet".
"Lucona" und Noricum
Die politische Karriere von Gratz war nicht ganz frei von Schatten. Seine Freundschaft mit Udo Proksch - einst Liebkind der Wiener Gesellschaft und nach dem Untergang der "Lucona" wegen mehrfachen Mordes verurteilt - wurde 1989 für Gratz zum Stolperstein. Ende 1989 gab Gratz seinen Rückzug aus der Politik bekannt und erklärte, seine Entscheidung "ist eine persönliche und sie ist politisch begründet".

1993 musste Gratz in der Causa Noricum vor Gericht. In dem Verfahren wegen unerlaubter Waffenexporte saß er als ehemaliger Außenminister neben dem früheren Bundeskanzler Sinowatz und Ex-Innenminister Karl Blecha auf der Anklagebank. Alle wurden vom Verdacht des Amtsmissbrauchs und des Beitrags zur Neutralitätsgefährdung freigesprochen.
Rückzug ins Privatleben
Gratz hat zwei erwachsene Söhne aus erster und eine Tochter aus zweiter Ehe.

Nach dem Ende seiner politischen Laufbahn zog sich Gratz vollständig ins Privatleben zurück. Nur noch auf SPÖ-Parteitagen blieb er bis zuletzt ein viel beklatschter Ehrengast.
Ganz Österreich
Wien News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News