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MI | 11.04.2012
Helmut Zilk (Bild: APA/ Schlager)
Rückblick
Helmut Zilk 1927 bis 2008
Wortgewaltig und vielfältig: Zwei Begriffe charakterisieren das Leben von Helmut Zilk, der als unermüdlicher Vollblutpolitiker bekannt war. Ein Porträt eines der populärsten Politiker Österreichs.
Ein Porträt eines der wortgewaltigsten und populärsten Politiker Österreichs.
Ausgebildeter Lehrer
Zilk wurde am 9. Juni 1927 in Wien-Favoriten geboren. 1947 begann er als Volks- und dann Hauptschullehrer zu arbeiten.

Er studierte Pädagogik, Germanistik, Psychologie und Philosophie. 1951 beendete er das Studium, 1955 legte er die Lehramtsprüfung ab.
Zilk war der erste Österreicher, dem die Goldene Kamera verliehen wurde.
Karriere im ORF
Doch statt der Karriere in der Schule kam die Karriere im ORF. 1955 begann er als freier Mitarbeiter für Jugendsendungen und baute ab 1959 das Schulfernsehprogramm auf. Bekannt wurde Zilk als Ombudsmann. Seine "Stadtgespräche" und später "In eigener Sache" waren Straßenfeger.

Für sein "Auslandsecho" erhielt er 1966 als erster Österreicher die Goldene Kamera. Unter Generalintendant Gerd Bacher war Zilk von 1967 bis 1974 Programmdirektor des ORF, ehe er dann gemeinsam mit Bacher den ORF verließ.
Helmut Zilk und Marcel Prawy in der ORF-Sendung "Lebens-Künstler". (Bild: APA)
Seit Oktober 1995 war Zilk als Talkmaster der ORF-Sendereihe "Lebens-Künstler" tätig.
Der damalige Bürgermeister Zilk mit Prinz Charles und Lady Di. (Bild: APA) Kulturstadtrat im Wiener Rathaus
Die journalistische Karriere setzte Zilk als Ombudsmann bei der "Kronen Zeitung" fort. 1979 begann dann die politische Laufbahn des ehemaligen Lehrers und Journalisten. Wiens Bürgermeister Leopold Gratz (SPÖ) machte ihn zum Kulturstadtrat.

Als solcher befriedigte Zilk die Bedürfnisse seiner journalistischen Ex-Kollegen exzellent, auch die Zuneigung der "Krone" kam ihm zugute. Kurz gesagt: Dem damaligen Bürgermeister Gratz war in dem Kulturstadtrat ein ernstzunehmender Konkurrent erwachsen.
Helmut Zilk bei seiner Regierungserklaerung am 28.September 1984 (Bild: APA)
Zilk bei seiner Regierungserklärung am 28. September 1984.
Helmut Zilk und Leopold Gratz (Bild: APA)
Helmut Zilk mit Leopold Gratz, ehemaliger Wiener Bürgermeister und Nationalratspräsident.
In Zilks Ära fielen der U-Bahn-Ausbau und die Eröffnung des neuen AKH.
1984 Bürgermeister der Stadt Wien
Doch zunächst machte Bundeskanzler Fred Sinowatz 1983 Zilk zum Unterrichtsminister. Als solcher ebnete er Claus Peymann den Weg ins Burgtheater.

1984 schließlich löste Zilk als Wiener Bürgermeister Gratz ab. Bei seiner Angelobung zum Bürgermeister am 10. September wurde deutlich, dass ihm "sein" Wien am Herzen lag: "Ich liebe diese Stadt und auch die Wiener selbst."

Er selbst präsentierte sich bei jeder Gelegenheit: bei Eröffnungen, Einweihungen und sogar auf Fahrradständern. Ein besonderes Anliegen war ihm das Stadtbild. Die Bekleidung der Fiaker, das Orange der Müllabfuhr und die Plakatflut: Zilk mischte sich ein und mischte mit.
Zilk, Häupl, Gratz (Bild: APA)
Helmut Zilk mit Vorgänger Leopold Gratz und Nachfolger Michael Häupl. Er war der siebente Bürgermeister Wiens nach dem Zweiten Weltkrieg.
Helmut Zilk im AKH nach dem Attentat 1993. (Bild: APA) Expo-Niederlage und Stimmenverluste
Ruhiger Gegenpol des Bürgermeisters im Rathaus war SPÖ-Landeschef Hans Mayr. Während dieser die enge Bindung an die Partei hatte, hatte Zilk die Freiheit, auch gegen die eigene Partei querzuschießen: ob er Jörg Haider (FPÖ/BZÖ) "Lernfähigkeit" attestierte, seinen Katholizismus betonte oder SPÖ-Minister zum Rücktritt aufforderte.

Bei der Wahl 1991 rutschte die Wiener SPÖ erstmals unter die 50-Prozent-Marke. Eine schwere Niederlage musste Zilk bei der Volksbefragung zur Expo hinnehmen. Die Wiener lehnten die Weltausstellung ab. 1994 löste Michael Häupl Zilk als Bürgermeister ab.
Zilk mit Prinz Charles und Prinzessin Diana am 14. April 1986  (Bild: APA/ Robert Jäger)
Mit Prinz Charles und Prinzessin Diana
Helmut Zilk und Dagmar Koller. (Bild: APA) Persönliches Hoch und Tief
Zilk war mit Dagmar Koller verheiratet. Er lernte den Musical- und Operettenstar 1978 kennen. Das Paar zählte seither zu den gern gesehenen prominenten Gästen nicht nur in Wien.

Die extremen Schattenseiten seiner hohen Popularität musste Zilk 1993 kennenlernen. Im Dezember dieses Jahres wurde Zilk ein Opfer der ersten Briefbombenserie. Die von der Explosion schwer getroffene linke Hand trug er seither meist in zur Krawatte passende Seide gehüllt.
Zilk (Bild: ORF)
Zuletzt immer wieder im Spital
Bereits im Jahr 2006 wurde der schlechte Gesundheitszustand des Altbürgermeisters offensichtlich: Er erhielt einen Herzschrittmacher und musste in künstlichen Tiefschlaf versetzt werden. Seither war er auch Dialysepatient.
Wegen der Herzprobleme war er zuletzt immer wieder im Spital in Behandlung.

An seinem 80. Geburtstag sagte Zilk, Bezug nehmend auf die Funktionen, die er zuletzt noch ausübte: "Ich überlasse es Gott, ob ich etwas abgebe, ich werde das nicht selber entscheiden."
Auf dem Grabstein sollte nur Zilk stehen
Seiner Bekanntheit und Wirkung in der Öffentlichkeit war sich Zilk stets bewusst, Bescheidenheit dabei nicht die oberste Maxime.

So stellte er anlässlich seines 80. Geburtstags in einem "Kurier"-Interview klar, was auf seinem Grabstein stehen sollte: "Nur Zilk. Der Name reicht. Denn es ist ja so: Professoren gibt's Hunderttausende, Direktoren und Hofräte gibt's ein paar zehntausend, aber Zilk gibt's, außer meinem Sohn und meinem Enkel, nur einen."
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