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MI | 11.04.2012
Bild: ORF
Report
1.105 rassistische Übergriffe im Vorjahr
"Rassismus wird in Österreich immer tabuloser und aggressiver." Das ist die Bilanz des Wiener Anti-Rassismus-Vereins ZARA, der heute seinen "Rassismus-Report 2005" präsentiert hat.
So viele Fälle wie noch nie
Die Zahl gemeldeter Übergriffe wie Diskriminierungen, Beschimpfungen, vor allem aber tätliche Angriffe, hat sich demnach stark erhöht. 1.105 Fälle wurden 2005 in ganz Österreich dokumentiert – so viele wie noch nie.

"Die stetig steigende Zahl der Meldungen bei ZARA zeigt aber auch, dass sich das Bewusstsein gegenüber Rassismus verändert hat", sagte Obmann Dieter Schindlauer. Immer mehr Menschen würden sich zur Wehr setzen und ihr Recht auf Nicht-Diskriminierung einfordern.
Quer durch alle Schichten
Überproportional von Übergriffen betroffen sind dem Bericht nach Menschen mit schwarzer Hautfarbe, wobei sich dieses Phänomen durch alle sozialen Schichten zieht.

Ein bestimmtes Täterprofil lässt sich nicht festmachen. Hikmet Kayahan, Leiter der Beratungsstelle: "Unsere Dokumentation zeigt, dass das die Akademikerin aus Döbling genauso betrifft wie den Arbeiter aus Floridsdorf."
Tabus fallen
Eindeutig sei, dass Tabus fallen und die tätlichen Übergriffe dramatisch zunehmen. Kayahan: "Dass einer Muslimin an einer Ampel das Kopftuch heruntergerissen wird, war vor fünf Jahren noch kaum denkbar. Heute ist es beinahe Alltag."

Die Chefredakteurin des Reports, Xiane Kangela, bemerkt auch, dass es immer weniger Unrechtsbewusstsein bei rassistischen Übergriffen gebe. Rassisten würden sich heute deutlicher zu ihrer Einstellung bekennen und weniger anonym agieren.
Kritik an Gleichbehandlungsgesetz
Kritik übte ZARA an der Anti-Rassismus-Arbeit des Bundes. Das Gleichbehandlungsgesetz biete keine ausreichende Gerechtigkeit, die Betroffenen müssten etwaige Prozesskosten alleine tragen.
Zum sechsten Mal erschienen
Der Rassismus-Report ist heuer zum sechsten Mal erschienen. Es ist die einzige qualitative Datenquelle über Struktur und Ausmaß von Rassismus in Österreich.
Grüne fordern Kampagne
Mehr als 90 Prozent der in dem Bericht genannten Fälle würden sich auf Wien beziehen. "Im Jahr 2005 gab es 19 Fälle von körperlicher Gewalt", sagte die Menschenrechtssprecherin der Wiener Grünen, Alev Korun in ihrer Reaktion. Die Grünen fordern daher eine öffentliche Antirassismus-Kampagne der Stadt Wien.
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