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MI | 11.04.2012
Geiger (Bild: APA)
Ernst Geiger
Vorzeige-Ermittler unter Verdacht
Ein smarter Ermittler in Mordfragen, der zuletzt unter die Buchautoren gegangen ist - so war das bisherige Erscheinungsbild von Hofrat Ernst Geiger. Nun wurde er nicht rechtskräftig wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses verurteilt.
Geigers Karriere ging bei der Polizei steil bergauf.
Als Jurist zur Polizei
Bis vor wenigen Monaten ging es für Geiger scheinbar mühelos die Karriereleiter hinauf. Im Mai 1954 wurde er in Wiener Neustadt geboren. 1977 promovierte er an der Universität Wien zum Doktor der Rechtswissenschaften und trat nach der Gerichtspraxis im Jahr 1978 in den Dienst der Bundespolizeidirektion Wien ein.

Bereits während seiner Tätigkeit im Bezirkspolizeikommissariat Hietzing mit dem Schwerpunkt Verwaltungsstrafverfahren interessierte er sich für kriminalpolizeiliche Angelegenheiten und wurde bereits nach wenigen Jahren ins Sicherheitsbüro berufen, wo er als Referatsleiter für Diebstahl, Einbruch und Prostitutionswesen eingesetzt war.
Aufbau der Tatortgruppen
Als Vorstandsstellvertreter des Büros für Erkennungsdienst, Kriminaltechnik und Fahndung war Geiger in den Aufbau der Tatortgruppen eingebunden. Auch am Projekt AFIS - der automatisationsunterstützten Auswertung von Fingerabdruckspuren - wirkte er mit.

"Diese Maßnahmen trugen entscheidend zur Verbesserung bei der Bekämpfung der steigenden Eigentumskriminalität bei", hieß es damals.
Geigers Aufklärungsrate lag bei 90 Prozent.
Den Mördern auf der Spur
Auch Geigers Tätigkeit als Leiter der Mordkommission Wien konnte sich sehen lassen: Jährlich ereigneten sich zu dieser Zeit durchschnittlich etwa 40 bis 45 Mordfälle, die zu mehr als 90 Prozent geklärt werden konnten.

Jack Unterweger, Wolfgang Ott, Helmut Frodl - kaum ein Mordfall in Österreich ging nicht über den Tisch von Geiger.
Erfolgreicher Buchautor
Seine Arbeit mit den prominentesten Serienmördern Österreichs veranlasste Geiger zuletzt auch dazu, gemeinsam mit dem Journalisten Paul Yvon ein Buch herauszugeben. In "Es gibt durchaus noch schöne Morde" finden sich Interviews, die Yvon mit Geiger geführt hat.

Bei der Buchpräsentation sagte Geiger: Einerseits empfinde er die - normale - Abscheu vor solchen Taten und ihren Urhebern. Andererseits erwache das berufliche Interesse an Herausforderungen wie diesen, die sich allzu selten im Alltag der meist leicht zu lösenden Beziehungstaten Geiger und seinen Beamten stellen.
Ernst Geiger bei seiner Ehrung Mit Ehrenzeichen ausgezeichnet
Erst im September 2005 wurde Geiger das Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien verliehen. Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) damals: "Er steht den Dienststellen der Stadt Wien mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um Fragen betreffend Prostitution oder um sicherheitspolizeiliche Angelegenheiten des Bundes geht, die die Interessen des Landes Wien betreffen."
"Sauna-Affäre" dürfte Geigers Polizeikarriere stoppen.
Leiter der Kriminalpolizeilichen Abteilung
Den Höhepunkt seiner Laufbahn erreichte Geiger schließlich Anfang dieses Jahres. Mit 1. Jänner 2006 wurde er vorläufig mit der Leitung der Kriminalpolizeilichen Abteilung in Wien betraut.

Seine Chancen standen bis zu den jüngsten Ereignissen nicht schlecht, den Posten auch langfristig zu behalten. Dieser Traum dürfte nun eher einmal ausgeträumt sein.
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